• Angela Fischer

Me time mit 50plus

Ich habe einen Entschluss gefasst !

Ich will ab sofort jeden Tag einen Moment erleben, den ich durch und durch genieße.

In dem ich ganz bei mir bin, in dem ich ganz ich selber bin.

Und wenn es nur für ein paar Sekunden oder Minuten ist.


So einen Moment habe ich auf diesem Foto erlebt.

Mitten im Rapsfeld.

Ein kurzer Augenblick Me time.




Ich war mit meinem Lieblingskameramann Jo unterwegs auf Dreh. In der Nähe von Augsburg. Plötzlich am Straßenrand diese gelbe Pracht.

Ganz spontan hat Jo angehalten und dieses Foto geschossen.

Es ist so ein grandioses Bild geworden.

Weil es die Lebensfreude ausstrahlt, die mich in diesem Augenblick erfüllt hat.

Weil es für einen Moment hat vergessen lassen, was momentan mit uns passiert. Wie Corona uns und unseren Alltag im Griff hat.


Unglaublich ... wie Farben uns tief im Inneren berühren können. Wie Musik.

In diesem Rapsfeld zu stehen, drum herum nur leuchtendes Gelb, das mit der Sonne um die Wette strahlt, so auf Tuchfühlung mit der Natur...da empfand ich eine große Demut und Dankbarkeit.

Für eine kurze Weile schien die Welt still zu stehen.

Ist es nicht wunderbar, dass oft unspektakuläre Dinge uns solche Glücksmomente bescheren?

Wir nehmen uns dafür viel zu wenig Zeit. Ich auch. Warum eigentlich?


Vor ein paar Tagen ist eine Freundin von mir gestorben. Nicht an Corona. An einem Gehirntumor. Vor acht Monaten erst die Diagnose. Sie war gerademal 50plus und so eine lebensfrohe, energiegeladene Frau.

Das Leben ist nicht immer fair. Daran können wir nichts ändern. Aber wir können ändern, wie wir mit unserer Zeit umgehen.


50plus ist ein guter Zeitpunkt für Fragen wie: Was brauche ich, damit es mir gut geht?

Was kann ich selber dafür tun? Wo fahre ich mit angezogener Handbremse? Wo mache ich faule Kompromisse?

Als mein Sohn klein war, haben wir immer ein spezielles Ritual vor dem Einschlafen gehabt. Wir haben uns gegenseitig eine Frage gestellt. Oder vielmehr zwei.

"Was war dein Schönstes heute?" und "Was war heute nicht gut?"


Eigentlich sollte man sich jeden Abend vor dem Schlafengehen diese Fragen stellen.

Egal in welchen Alter.

Und wenn man - vor allem die erste Frage - nicht beantworten kann, sollte man wieder aufstehen und irgendetwas Verrücktes tun.

Wir tun so wenig Verrücktes. Ich auch. Warum eigentlich?


Es heißt, wenn man älter wird, lebt man immer mehr in der Erinnerung. Klingt das nicht grausam? Wo steht geschrieben, dass man nicht auch noch mit 80 einen noch nie dagewesenen Moment erleben kann, der eventuell sogar alle bisherigen Momente im Leben toppt ?


Hopp! Raus aus der Komfortzone!!!

Auch mit 50plus kann man noch neue Dinge lernen. Ein neues Hobby anfangen. Sich nochmal neu verlieben...

Ich war zwar 22 Jahre in einer Beziehung. Aber nie verheiratet. Das würde ich aber gerne noch. Heiraten steht auf meiner TopTen-To--Do-Liste. Zwar fehlt mir der Mann noch dazu. Aber der wird schon kommen. Und wenn er mir erst im Altersheim über den Weg läuft... ich bin überzeugt, er kommt mir nicht aus. Die Hochzeit verschiebe ich nicht aufs nächste Leben. Ganz gewiss nicht. Diverse Brautkleider habe ich übrigens bereits im Visier.

Ich weiß, das ist verrückt. Aber ist nicht ein bisschen verrückt, das, was uns oft fehlt?


Jetzt sollte endlich Schluss sein mit der Sehnsucht, was anderes zu machen, was anderes zu sein.

Wenn nicht jetzt, wann dann. Trau dich. Was kannst du verlieren ?

Ich bin felsenfest davon überzeugt, dass man nicht das bereut, was man getan hat. Sondern die Dinge, die man nicht getan hat.


Vor allem sollte einem egal sein, was die anderen denken.

Ich bin auch jemand, der oft nicht "NEIN" sagen kann, der sich oft nicht wirklich positioniert. Aus Angst zickig zu wirken. Aus Angst zu missfallen.

Lang genug habe ich mir eingeredet, diese Eigenschaft von meinem Vater geerbt zu haben.

Eine schlechte Ausrede. Alles nur Bequemlichkeit.


Mit 50plus hört man hin und wieder so Sätze wie:

"Aus dem Alter bist du doch raus..." oder "In deinem Alter kannst du doch nicht mehr..."

Hallo!!!

Wer hat das Recht mir etwas vorzuschreiben?

Wer bestimmt, was man in welchem Alter darf?

Das sind doch alles fragwürdige gesellschaftliche Normen, die uns in ein Korsett zwingen wollen, die uns die Luft zum Atmen nehmen.


Nicht mit mir! Ich mache ab sofort mein Ding.

Schließlich gibt es nichts Schöneres als das Leben zu spüren.

Manchmal braucht es dazu nur ein Rapsfeld. Und ein paar Minuten Zeit, um darin zu versinken.


Was war das Verrückteste, das ihr je gemacht habt? Oder noch vorhabt?









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